Theodor Heuglin (1824 - 1876)

Expeditionen ins unbekannte Afrika - Naturforscher und Entdecker

Portrait Theodor Heuglin (c) de.Wikipedia.org
Theodor Heuglin

Das 19. Jahrhundert war nicht nur eine Zeit großer politischer und wirtschaftlicher Umwälzungen, sondern auch das Jahrhundert der Entdeckungen. Große Teile der Welt waren noch unbekannt, vor allem das Landesinnere der Kontinente Amerika und Afrika und die Polarregionen. Auch in Württemberg richteten sich viele Augen auf die weißen Flecken in den Landkarten. Theodor Heuglin war einer der Naturforscher, die sich die Erforschung des unbekannten Afrika zur Lebensaufgabe machten.

Theodor Heuglin stammt aus Hirschlanden (heute ein Stadtteil Ditzingens) in der Nähe von Stuttgart. Schon früh war er an allen Gebieten der Naturwissenschaft interessiert. Als Pfarrerssohn erhielt er eine gute Ausbildung. Er besuchte das Gymnasium und die wissenschaftliche Bildungsanstalt in Ludwigsburg, wo er sich mit Metallurgie beschäftigte. Von 1842 bis 1843 studierte er das Berg- und Hüttenfach an der Polytechnischen Schule in Stuttgart.

"Enzet (Musa) - Pflanzung im Woina-Thal in Simen". Kolorierte Lithographie nach einem Bild von Theodor Heuglin 1857 (c)
"Enzet (Musa) - Pflanzung im Woina-Thal in Simen". Kolorierte Lithographie nach einem Bild von Theodor Heuglin 1857

Inspiriert zu seinen Reisen wurde er durch Baron Karl Ferdinand Heinrich Ludwig, einem in Südafrika reich gewordenen Auswanderer, dessen Berichten er im großelterlichen Haus in Ludwigsburg lauschte. Christian Ludwig Landbeck, ein Kenner der Vögel Württembergs, förderte Heuglins Interesse an der Ornithologie und erkannte auch dessen zeichnerisches Talent. Bei der Arbeit an der Naturaliensammlung, die sein Schulkamerad und Freund Johann Wilhelm Baron von Müller 1849 aus Afrika mitgebracht hatte, entschloss sich Heuglin endgültig zu einem Leben als Forschungsreisender.

1850 machte er sich zum ersten Mal nach Ägypten auf, das viele Afrikaforscher zum Ausgang ihrer Expeditionen wählten. Er lernte Arabisch und reiste von Kairo aus nach Oberägypten, Arabien und zum Roten Meer.

Zwischen 1852 und 1875 unternahm Heuglin sieben große Expeditionen nach Eritrea und Äthiopien, wo er bis zum Tana-See gelangte, nach Ost- und Zentralafrika sowie auch ins Nordpolarmeer, nach Spitzbergen und Nowaja Semlja. Er erfasste die Fauna und stellte umfangreiche Sammlungen an Tierpräparaten und Objekten zusammen, die heute wichtige Teile der naturkundlichen Museen u. a. in Wien und Stuttgart sind. Außerdem leistete er bedeutende Arbeiten als Kartograph bisher unerfasster Gebiete. Eine Expedition hatte zum Ziel, das Schicksal des in der Region Wadai im heutigen Tschad verschollenen Eduard Vogel aufzuklären. Zahlreiche auch schwere Erkrankungen erschwerten seine Reisen und nicht selten starben auch Reisegefährten.

Karte Athiopiens aus dem Jahr 1857 von Theodor Heuglin. Der Ausschnitt zeigt die Gebiete um den Tanasee, die rote Linie die Route Heuglins 1852/53. (c)
Karte Athiopiens aus dem Jahr 1857 von Theodor Heuglin. Der Ausschnitt zeigt die Gebiete um den Tanasee, die rote Linie die Route Heuglins 1852/53.

Zwischen seinen Expeditionen kehrte Heuglin nach Württemberg zurück und entfaltete eine reiche Publikationstätigkeit. Ein wichtiges wissenschaftliches Werk ist die "Ornithologie Nordostafrikas, der Nilquellen und Küstengebiete des Roten Meeres und des nördlichen Somalilandes". Die Erstbeschreibungen vieler Säugetiere und Vögel stammen aus Heuglins Feder.

Während der Vorbereitungen zu einer weiteren Expedition nach Ostafrika starb Heuglin am 5. November 1876 in Stuttgart. Er wurde auf dem Stuttgarter Pragfriedhof beerdigt. Nach ihm wude das Kapp Heuglin auf Spitzbergen sowie der Mount Heuglin im Northern Territory Australiens benannt.

Volker Ziegler

Literatur

  • Bacmeister, Walther: Theodor Heuglin, Forschungsreisender, 1824 - 1876. In: Schwäbische Lebensbilder V. (1950), S. 396-423.
  • Hölzinger, Jochen: Handschriftliche Notizen von Christian Ludwig Landbeck und Theodor Heuglin zu Landbecks "Systematische Aufzählung der Vögel Württembergs" (1834). In: Ornithologische Jahreshefte für Baden-Württemberg 1 (1985), S. 81-88.
  • Schmid, Wilfried: Bibliographie der Publikationen von Theodor von Heuglin (20.3.1824-5.11.1876). In: Ornithologische Jahreshefte für Baden- Württemberg 13 (1997), S. 207-220.
  • Schmid, Wilfried: Theodor von Heuglins Exkursion in Griechenland . In: Ornithologische Jahreshefte für Baden-Württemberg 13 (1997), S. 221-227.
  • Stolzenau, Martin: "Afrikaner" mit Ludwigsburger Wurzeln. Der Forscher Theodor Heuglin. In: Hie gut Württemberg 56 (2005), S. 15.
     

Links

Bildquellen

  • Portrait: de.Wikipedia.org; Lithographie und Karte aus: Theodor von Heuglin: Reisen in Nord-Ost-Afrika. Gotha 1857 (Exemplar der Universitätsbibliothek Stuttgart, Signatur: 1G386)
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