Gonkuro Kume

Gonkuro Kume (1895 - 1965)

und die Verbesserung des japanische Wohnhauses

Wer im Internet eines der größten Architektur- und Planungsbüros der Welt (so die Zeitschrift world architecture 2002) besucht, das Unternehmen Kume Sekkei mit Hauptsitz in Tokio (550 Beschäftigte, Jahresumsatz 100 - 120 Mill. US$), wird auch mit dessen Gründer, dem Stuttgarter Studenten Gonkuro Kume bekannt gemacht:  www.kumesekkei.co.jp/en

Gonkuro Kume stammte aus wohlhabender Familie. Der Vater war Bauingenieur und Unternehmer, später Politiker und es heißt, sein weitläufiger Wohnsitz in Tokio sei das erste Haus in Japan mit einem Aufzug gewesen. Nach dem Abitur führte sein Berufsweg ihn nach Singapur und als Ingenieur und Direktor in die Gummifabrik seines Vaters. Offenbar war es eine weltoffene Atmosphäre, in der Gonkuro aufwuchs, so dass auch ein Studium im Ausland möglich war.

Spotclub (Architekt: Gonkuro Kume) (c)
Spotclub (Architekt: Gonkuro Kume)
Hotel (Architekt: Gonkuro Kume) (c)
Hotel (Architekt: Gonkuro Kume)
Residenz (Architekt: Gonkuro Kume) (c)
Residenz (Architekt: Gonkuro Kume)

Kume kam 1922 nach Europa. Nach einem halbjährigen Praktikum in einer Möbelfabrik studierte er von 1923 bis 1928 an der Technischen Hochschule Stuttgart Architektur, diplomierte hier 1928 und wurde 1929 mit einer Dissertation bei Paul Bonatz, dem bekannten Architekten des Stuttgarter Hauptbahnhofs, promoviert, in dessen Büro er auch arbeitete. Zu seiner Zeit war er übrigens der einzige Student der TH aus Japan. Seine Dissertation befasst sich mit der "Verbesserung des japanischen Wohnhauses".

"Das Leben in Japan hat sich gegen früher ganz verändert, seitdem die europäische Zivilisation ihren Einzug gehalten hat. Besonders nach dem Erdbeben vom September 1923 hat es sich stark europäisiert in Kleidung, Wohnungseinrichtung usw." ist darin zu lesen. So scheint es ihm jetzt auch möglich, europäische Baukonventionen in Japan einzuführen wie Betonfundamente oder Betonverschalungen von Holz- und Eisenträgern, die die Erdbebensicherheit erhöhen und die Schäden anschließender Feuersbrünste begrenzen helfen. Seine Ideen fanden in Japan vor dem Zweiten Weltkrieg großen Anklang und einige Gebäude wurden nach den Prinzipien des "neuen Wohnhauses" gebaut.

Wochenendhaus (Architekt: Gonkuro Kume) (c)
Wochenendhaus (Architekt: Gonkuro Kume)

Nach einem weiteren Ausbildungsaufenthalt in London kehrte Kume 1929 nach Japan zurück. 1932 gründete er sein eigenes Architekturbüro, in dem er seinen Stil, eine Verbindung zwischen traditionellen japanischen und modernen westlichen Formen ausbildete. Hier arbeiteten Architekten und Bauingenieure zusammen im Sinne einer Integration von konstruktiven und architektonischen Aufgaben. Das Postulat, jedes Gebäude an die lokalen Bautraditionen und in die Landschaft einzubinden, erinnert sehr an Kernsätze der Stuttgarter Architekturschule.

Heute plant und baut Kume Sekkei in Japan, China und ganz Südostasien [Vietnam, Malaysia, Philippinen, Thailand, Korea] Universitätsgebäude, Schulen, Krankenhäuser, Bürogebäude und andere Großprojekte.

Norbert Becker

Quellen

  • Renato A. Pirotta, Kume Sekkei Co. Ltd., Tokio
  • Kume Sekkei 2018. ISBN 978-4-8222-5653-1

Links

Bildquellen

  • Alle Bilder: Renato A. Pirotta, Kume Sekkei Co. Ltd., Tokio
Zum Seitenanfang